Ausgearbeitetes Konzept des Projektes

Rahmen des Projektes

Die Unterstützung der Schulen bei dieser Aufgabe besteht in Form von

  • Beratung und Hilfe bei der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft,

  • Hilfe bei der Akquise von Praktikumsstellen,

  • Ausstattung von Jobbüros bzw. Medienräumen (sofern nicht bereits vorhanden) sowie

  • materieller Unterstützung bei der Bearbeitung der betrieblichen Lernaufgaben durch die Schüler.

  • 

Die für diesen Zweck von der Stiftung eingerichteten und ausgestatteten Medienräume (oder Jobbüros) sollen ausdrücklich auch allen anderen Schülern bei der Berufswahlvorbereitung zu Gute kommen und nachhaltig von der Schule für diese Zwecke genutzt werden.

An der Entwicklung, Durchführung und Auswertung des Projektes sind beteiligt:

  • Christian-Morgenstern-Schule (Förderschule Lernen)

  • Hauptschule Alstaden (Ganztagshauptschule)

  • Albert-Schweitzer-Schule (Ganztagshauptschule)

  • Örtliche Schulaufsicht

  • Schulverwaltungsamt

  • Stadtsparkasse Oberhausen, Stiftung Kultur und Bildung


Die Voraussetzungen der Schulen:

Die drei beteiligten Schulen haben in ihren bestehenden Schulprogrammen bewährte Elemente der Berufswahlvorbereitung:

  • Individuelle Beratung durch Beratungslehrer und externe Beratungs-einrichtungen,

  • Blockpraktika,

  • Kompetenzchecks sowie andere Verfahren zur Potentialanalyse von Schülern.

Der rechtliche Rahmen:

  • Praktikumserlass NRW

  • Rahmenrichtlinien zur Berufsorientierung

  • Jugendarbeitsschutzgesetz

  • Bestimmungen des Staatlichen Amtes für Arbeitsschutz

Für das Projekt Praxistag sind vorrangig folgende Regelungen relevant:
Im Praktikumserlass wird das Tagespraktikum in Langzeitform erwähnt und ausgeführt, dass einzelne Schüler, für die eine solche Maßnahme pädagogisch sinnvoll ist, an einem Tag in der Woche im Betrieb lernen können. Im hier entwickelten Projekt werden mehrere Schüler, für die diese Beschreibung zutrifft, zu einer Wahlpflichtgruppe oder einer Klasse zusammengefasst. Die Zustimmung der jeweiligen Klassenkonferenz und der Erziehungsberechtigten muss eingeholt werden. Eine so zusammengefasste Gruppe entspricht auch der Zielrichtung der neuen Rahmenrichtlinien zur Berufsorientierung, die individuelle Förderung auch bei der Berufswahlvorbereitung in den Mittelpunkt stellt.


Die Bestimmungen des Arbeitsschutzes für Schülerbetriebspraktika gelten auch für den Praxistag: Schüler der Sekundarstufe I gelten im Sinne des Jugendarbeits- schutzgesetzes als Kinder. Das wirkt sich auf die tägliche Arbeitszeit (7 Stunden) und die besonderen Schutzbestimmungen einzelner Arbeitsplätze aus. Die gute Zusammenarbeit des Schulamtes mit dem Staatlichen Amt für Arbeitsschutz in Essen konnte hier für die Klärung einzelner Fragen genutzt werden.


Zielsetzung des Projektes

Fundierte Entscheidung
Der Praxistag unterstützt die Schüler bei der Entscheidung für einen Ausbildungs-beruf. Er ist eine Ergänzung zu anderen Maßnahmen der Berufswahlvorbereitung wie Kompetenzchecks, Betriebserkundungen, Blockpraktika oder Themen-Praktika. Er ermöglicht den Schülern, einen Betrieb und Berufe über einen längeren Zeitraum und damit auch zu verschiedenen Jahreszeiten und saisonalen Auftragslagen kennen zu lernen. Ihre Entscheidung für eine Ausbildung im angestrebten Beruf und evtl. auch für den jeweiligen Betrieb kann so gefestigt oder auch durchdacht revidiert werden; Ausbildungsabbrüchen wird so vorgebeugt.


Eine Chance für die Betriebe
Der Praxistag ermöglicht den Betrieben, die Jugendlichen als mögliche Bewerber über einen längeren Zeitraum hinweg einzuschätzen. Kompetenzen wie Zuverlässigkeit und die Fähigkeit sich auf unterschiedliche Arbeitssituationen, Personen und Anforderungen einzustellen, können bewiesen werden. Die üblichen Bewerbungs- und Auswahlaktivitäten werden so sinnvoll ergänzt. Erstrebenswert kann auch sein, Betriebe, die sich aus der Ausbildung zurück gezogen haben, wieder dafür zu interessieren. Unter Umständen kann in solchen Fällen eine Betreuung über die Schulzeit hinaus organisiert werden.


In der Praxis lernen motiviert

Eine Besonderheit des Praxistages ist die Ergänzung durch betriebliche Lernaufgaben. Dadurch soll die Reflexion des im Betrieb Erlebten bei den Schülern verbessert werden. Die betriebliche Lernaufgabe soll durch den Praxisbezug auch allgemein für schulisches Lernen motivieren. Die Medienkompetenz soll deutlich verbessert werden.

Eltern werden einbezogen

Die Eltern der Jugendlichen sollen durch den Praxistag mit seinen betrieblichen Lernaufgaben deutlich mehr in die Berufsentscheidung einbezogen werden.
Persönliche Hemmnisse, die im normalen Bewerbungsvorgang die Chancen verschlechtern, sollen durch den Praxistag und die begleitenden Elemente ausgeglichen werden. Die Berufswahlvorbereitung der beteiligten Schulen soll nachhaltig verbessert werden. Dazu können die intensivere Zusammenarbeit mit den Betrieben, die Präsentation der betrieblichen Lernaufgaben, die Einrichtung der Jobbüros beitragen.

Die Situation der Berufsorientierung

Der Praxistag stellt eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Berufsorientierung der beteiligten Schulen dar und soll nicht isoliert gesehen werden. Die Oberhausener Schulen haben seit langem ein System der individuellen Unter-stützung der Schüler und der Kooperation mit außerschulischen Partnern. An allen Schulen sind Personen für die Berufsorientierung zuständig. Häufig sind es die Beratungslehrer, die für diese Aufgabenstellung eine Stundenentlastung erhalten. Schulintern gestalten sie mit den Fachlehrern die Berufsorientierung, leisten aber auch Beratungsarbeit vor allem für Frühabgänger ohne Schulabschluss.

Elemente der Berufwahlvorbereitung der Sekundarstufe I an den Schulen und den Förderschulen:

  • Betriebserkundungen

  • Arbeit mit den Medien der Agentur für Arbeit

  • Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Geschlechterrollen für die Berufs- und Lebensplanung

  • Blockpraktika

  • Themenpraktika (Landpraktikum, Sozialpraktikum, Mädchen in technischen Berufen)

  • Sonderpraktika in Einrichtungen des Oberhausener Verbundsystems

  • Schülerfirmen

  • Berufswahltest und Psychologische Untersuchung (PU) der AfA

  • Kompetenzchecks

  • Bewerbungstraining

  • Berufsberatung der AfA

  • Information über schulische Bildungsgänge

  • Besuch von Ausbildungsmessen

  • etc.

Der Praxistag mit den betrieblichen Lernaufgaben steht also nicht isoliert, sondern er ist eine zusätzliche Entscheidungshilfe am Ende eines Prozesses. Vor allem die Ergebnisse der Kompetenzerfassung und der Psychologischen Untersuchung müssen sinnvoll einbezogen werden, wenn es um die Auswahl der Berufe und des Praktikumsbetriebes geht.

Als bewährte außerschulische Partner der Berufsorientierung sollten einbezogen werden:

  • Die Berufsberatung

  • De Jugendhilfe

  • Die Kammern der örtlichen Wirtschaft

  • Unternehmen Schule

  • Projekte im Verbundsystem, z.B. Zentrum für Ausbildung und Qualifikation (ZAQ)


Praktika in der Berufsorientierung

Jährlich werden von ca. 3000 Jugendlichen Praktika absolviert. Den größten Anteil der Praktikanten stellen die allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe I und II, die Förderschulen, aber auch die Berufskollegs und die Träger der berufs-vorbereitenden Maßnahmen führen unterschiedlich lange Praktika durch. Zusätzlich zu den normalen Blockpraktika gibt es thematisch definierte Praktika, Tagespraktika und sozialpädagogische Sonderpraktika.

Im Arbeitskreis der Praktikumskoordinatoren aller Schulen werden jährlich die Erfahrungen ausgetauscht und das Gespräch mit Vertretern der Wirtschaft gesucht. Bisher wird die Kooperation mit den Betrieben sehr positiv eingeschätzt. Von vielen Betrieben gibt es eine positive Rückmeldung bezüglich der Zusammenarbeit mit den Schulen. Im Arbeitskreis der Praktikumskoordinatoren wird immer wieder die Qualität der Praktikumsvor- und nachbereitung thematisiert.

Bewusst wurde hier keine einheitliche Dokumentationsform eingeführt, sondern den besonderen Bedingungen der einzelnen Schulformen und Schulen Raum gegeben. Viele Schulen sind auch dazu übergegangen, Aufgabenstellungen ganz individuell auf den jeweiligen Schüler und den Betrieb abzustellen. Dieses Vorgehen kommt der betrieblichen Lernaufgabe des Praxistages nahe.

Der Praxistag mit betrieblichen Lernaufgaben in der Umsetzung

Beteiligte:

Albert-Schweitzer-Schule (Ganztagshauptschule)

Hauptschule Alstaden (Ganztagshauptschule)
Christian-Morgenstern-Schule (Förderschule Lernen)

Der Stand der Berufsorientierung:
Die Schüler, die im Schuljahr 2007/ 2008 mit dem Projekt beginnen, befinden sich im letzten Drittel ihrer Berufswahlorientierung. Sie haben sich bereits alle mit Berufsbildern beschäftigt, sie haben in Praktika betriebliche Erfahrung gesammelt und mit Fachkräften ausgewertet, sie haben fast alle an einem zweitägigen Kompetenzcheck teilgenommen. Die Schüler der Hauptschulen haben erste Gespräche mit ihrem Berufsberater und ihrem Beratungslehrer geführt, bei dem die Richtung (schulische Weiterbildung, betriebliche Ausbildung oder Berufsvorbereitung in einer Maßnahme der AfA) erörtert wurde.

Die Schüler der Förderschule haben an der Psychologischen Untersuchung (PU) der AfA teilgenommen und diese mit ihrem Berufsberater ausgewertet.

Alle Schüler haben eine schriftliche Form von Lebenslauf und Bewerbungsschreiben im Deutschunterricht erarbeitet.

Ein Teil der Schüler hat im berufsorientierenden Wahlpflichtunterricht Tätigkeiten und Anforderungen aus unterschiedlichen Berufsfeldern kennen gelernt.

Die Auswahl der Betriebe:

Grundsätzlich sollen die Betriebe eine Ausbildungsberechtigung haben. Dadurch lassen sich oft Probleme im Bereich des Arbeitsschutzes vermeiden. Für die Schüler der Hauptschulen wäre sogar erstrebenswert, dass der Betrieb für das nächste Jahr Auszubildende sucht.

Das wird nicht in jedem Fall möglich sein. Für die Schüler der Christian-Morgenstern-Schule wird die Übernahme in Ausbildung auch erstrebenswert, aber doch eine Ausnahme sein. So betont die Schule auch, dass die Vermittlung von Arbeitstugenden, die Motivation für einen Schulabschluss und das Interesse an betrieblicher Arbeit die angemessenen Ziele seien.

Die Betreuung der Schülerinnen und Schüler in den Betrieben:

Wie bei den anderen Projektbestandteilen auch sollte das Vorgehen der Schulen hier ähnlich sein. Die betreuenden Lehrer (nach Möglichkeit nur eine/r je Schülergruppe) sollte in der Woche mindestens 3 Stunden für Betriebsbesuche zur Verfügung haben. Jeder Schüler wird im Halbjahr mindestens 2x besucht. Erfahrungsgemäß müssen einige Schüler deutlich öfter besucht werden, um vorhandene Probleme mit dem Praktikum zu lösen.

Die Betriebe erhalten von den Betreuern eine Übersicht über alle Termine des 1. Halbjahres, eine Kurzdarstellung des Praktikumskonzeptes, ein Merkblatt über Haftpflicht- und Unfallversicherung, die Telefonnummern der Schule, die Verhaltensvorgaben bei Erkrankungen und gegebenenfalls Informationen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Im Laufe des ersten Halbjahres erhalten die Betriebe ein Formblatt für ein Zeugnis zum Ende des Praktikums. Die Schüler führen ein Heft für Anwesenheitsnachweise und Bemerkungen.


Die betriebliche Lernaufgabe:

Die betriebliche Lernaufgabe ist Teil einer umfangreicheren Informations-sammlung. Themen sollten sein:

  • Namen und Zuständigkeiten im Betrieb

  • Kurzberichte

  • Lexikon der Fachbegriffe

  • Arbeitsschutzbestimmungen

  • Liste der berufstypischen Tätigkeiten

  • Die notwendigen Fähigkeiten für meinen Beruf

Die Themen für die Lernaufgaben sollen individuell auf die Schüler und den Betrieb abgestellt werden.

Vorschläge:

  • Der Praktikumsberuf in Theorie und Praxis

  • Eine Beschreibung eines komplexen Arbeitsablaufes bzw. Vorganges im Unternehmen

  • Berufswelt im Wandel, ein ausführliches Interview mit einem älteren Mitarbeiter

  • Interview mit einem Auszubildenden

  • Ein Tag in der Berufsschule

Bei der Bearbeitung der betrieblichen Lernaufgabe ist die Präsentation zum Abschluss des Projektjahres ein wichtiger Aspekt. Wenn es auch nicht mit jedem einzelnen Schüler gelingen wird, so ist trotzdem das Ziel, dass die betriebliche Lernaufgabe vor einer kleinen Öffentlichkeit vorgetragen wird.


Foren können sein:

  • Die Lerngruppe

  • Ein Elternabend

  • Die Abschlussklassen

  • Öffentliche Präsentationen

Gerade bei den betrieblichen Lernaufgaben und ihrer Präsentation ist eine große Leistungsdifferenz zu erwarten, es gehört zum Konzept, dass hier Motivation und Bereitschaft vorrangig sind.

Zur Evaluation des Projekts werden Informationen gesammelt:
Schülermerkmale
Anwesenheit, Fehlzeiten
Aussagen der Betriebe zur evtl. Übernahme in Ausbildung
Betriebswechsel, Gründe
Beteiligung der Eltern
Übernahme in Ausbildung, Arbeit
Andere Lernorte nach der Schulentlassung
Nachbetreuung (ca. 1 Jahr)
Erfahrungen mit den betrieblichen Lernaufgaben

Der Übergang am Ende des Projektjahres
Die Vorbereitung auf den Übergang am Ende der Abschlussklasse erfolgt nach den gleichen Grundsätzen wie bei den nicht am Projekt beteiligten Schülern.

So lange kein Ausbildungsvertrag besteht, wird gemeinsam mit den außerschulischen Partnern nach passenden Möglichkeiten für den nächsten Lernort gesucht. Also müssen sich die Schüler ggf. im Februar für die Vollzeitschulen der Berufskollegs, für berufsvorbereitende Maßnahmen der AfA, Förderlehrgänge oder Bildungswerke anmelden. Die Verantwortung hierfür übernehmen die betreuenden Lehrer.

In diesem Zusammenhang wird nochmals die Bedeutung der Elternarbeit deutlich. Die Eltern dürfen nicht in der Ansicht verharren, dass mit dem Ableisten des Praktikums die Hürden für eine Ausbildung genommen seien. Sie werden von vornherein schon mit ihrer Unterschrift für die Zugehörigkeit und Zustimmung zum Projekt eingeschlossen. Wünschenswert ist eine Beteiligung der Eltern zu offiziellen Terminen des Projektes.


Nachhaltigkeit der Maßnahme

Koordination des Projekts und die Zusammenarbeit der Schulen:

Das Projekt, welches zunächst für 3 Jahre angesetzt war, wird nach seinem Erfolg in den letzten Jahren für die beteiligten Schulen weiterhin attraktiv sein – das Gleiche gilt für Betriebe, die so vielleicht passende Auszubildende gefunden haben.

Wichtige Elemente und Ziele, die den Praxistag charakterisieren:

  • Die fundierte Zuordnung der Schüler zu den Betrieben,

  • das Ziel „Ausbildung“ (bei den Hauptschülern),

  • die Motivation für einen Schulabschluss (bei den Förderschülern) und

  • die starke Einbeziehung der Eltern.

  • In zusätzlichem Unterricht werden betriebliche Lernaufgaben ausgearbeitet. Die Schüler gehen damit an eine (kleine) Öffentlichkeit.

Diese Bausteine sollten sich an den drei Schulen gleich bzw. ähnlich entwickeln.

Dazu treffen sich die Beteiligten regelmäßig mit der Projektleitung und dem Koordinator – Erfahrungen werden ausgetauscht und ggf. auch Änderungen herbeigeführt.


Zur Koordination des Praxistages gehört:

  • Konzeptarbeit

  • Erstellen, Überarbeiten und Aktualisieren von Materialien

  • Unterstützung bei der Akquise von Betrieben

  • Der Aufbau einer neuen Betriebekartei

  • Die Beachtung des Arbeitsschutzes

  • Die Einbeziehung außerschulischer Partner

  • Vorbereitung der Öffentlichkeitsarbeit

  • Die qualitative Vorbereitung der folgenden Projektjahre

  • Die Evaluation mit Statistik und Ergebnissen der Nachbetreuung